Definition, die erste

Definitionen entwickeln sich Erfahrungsgemäß in verschiedenen Stufen. Daher will ich jetzt mal mit der ersten Runde beginnen. Dabei gehe ich mal von einer Definition (oder eher Erklärung) aus, die ich zusammen mit C entwickelt habe: „Mut zeigt, wer einer objektiv bestehenden Gefahr ins Auge sehend eine Handlung ausführt.“

Mut zeigen heißt also primär: handeln. Genauer gesagt: handeln, obwohl eine Gefahr besteht. Und nicht nur das: handeln, obwohl eine Gefahr besteht, der man sich auch bewußt ist.

Diese Definition haben wir ohne jeden Rückgriff auf Wörterbücher oder andere Nachschlagewerke erstellt. Wollen wir also mal gucken, was sich da so findet:

Das dtv-Lexikon sieht im Mut: „das aktive Verhalten bei drohender Gefahr“, welche „u.U. das Überwinden von Angst und Furcht“ erfordere. Das steht zumindest nicht im Widerspruch zu unserer Definition, wenn es auch nicht den Aspekt der Gefahrenbewußtseins zwingend nennt.

Im „Deutschen Wörterbuch“ findet sich: „Fähigkeit, in einer gefährlichen, riskanten Situation seine Angst zu überwinden; Furchtlosigkeit angesichts einer Situation, in der man Angst haben könnte“ sowie „Bereitschaft, angesichts zu erwartender Nachteil etw. zu tun, was man für richtig hält“. Die erste Definition erfordert zwingen Angst als Voraussetzung für Mut, während die zweite diese gerade ausschließt. Es handelt sich also um zwei sich widersprechende Auffassungen, die ich aber beide für schlecht halte. Die erste, weil nicht die Angst überwunden werden muss (das ist Tapferkeit!), sondern lediglich ein Gefahrbewußtsein nicht zu lähmender Angst führen darf. Ob es je zu subjektiv gefühlter Angst kommt, ist dabei völlig egal. Die zweite ist insofern völlig sinnleer, als der Halbsatz „in der man Angst haben könnte“ sich auf alles beziehen kann und daher nicht genügend die erforderliche objektive Gefahr fordert. Die letzte Definition schließlich halte ich insofern für ungenügend, als ein reiner Nachteil sicherlich nicht ausreicht, wenn dieser nicht eine echte Bedrohung darstellt (man kann nicht von Mut sprechen, wenn man im Biosupermarkt Biogemüse in den Einkaufswagen legt und dabei den Nachteil eines höheren Preises in Kauf nimmt).

Wikipedia spricht von einem „wagenden Vertrauen in die eigene Kraft“. Das klingt irgendwie hübsch, enthält aber den Begriff „wagend“, der mir erstmal nicht viel klarer als „mutig“ erscheint. Außerdem fehlt der Bezug auf eine wirkliche Handlung, die ausgeführt wird.

Tja, also ich bleibe erstmal bei meiner Definition und halte noch fest, das auch die Begriffe Gefahr/Bedrohung, Bewußtsein und Handlung evtl. noch genauer angeguckt werden müssen. Außerdem sollte nochmal das Verhältnis zu den Begriffen Wagnis, Angst, Tapferkeit unter die Lupe genommen werden.

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