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Peter Lau und Timothy Leary: Mut ist eine Gewohnheit

Februar 21, 2008

„Der Hippie-Philosoph Timothy Leary glaubte, Mut sei ebenso eine Gewohnheit wie Angst. Ich glaube das auch. … Ich glaube an die persönliche Evolution. Wir werden als Menschen geboren und entwickeln uns weiter. Manche werden zu Schleimbeuteln oder zu Arschlöchern. Aber wir können auch Helden werden. Der Held unterscheidet sich vom Rest der Menschheit dadurch, dass er mehr tut, als man von ihm erwartet.“ (Peter Lau: „Mut – Wie man zum Helden wird“ In: brand eins 12/2006 http://www.brandeins.de/home/inhalt_detail.asp?id=2189)

Das gefällt mir nicht so recht, gibt aber viel Denkfutter. Angst ist natürlich keine Gewohnheit. Es kann sein, dass man sich so an eine Angst gewöhnt hat, dass man die mit dieser Angst verbundenen Gewohnheiten gar nicht mehr aufgeben will. Es kann also passieren, dass die Gewohnheiten nicht mehr dem Umgang mit der Angst dienen, sondern die Angst der Aufrechterhaltung der Gewohnheiten. Mut ist auch keine Gewohnheit, denn Mut setzt voraus, der Gefahr ins Auge zu schauen. Gerade weil jede Gefahr durch verschiedene Gewohnheitsmechanismen immer wieder verdeckt wird, muss auch die Mut immer eine andere sein. Mut die gewohnheitsmäßig ist, ist eher Abenteuerlust … Ein Abenteurer ist nicht unbedingt mutig, weil er sich meistens nicht strukturell neuen Gefahren aussetzt, er mag in verschiedene Länder fahren, mal Bergsteigen, mal Tauchen, mal Segeln. Aber in den meisten Fällen wird er doch immer auf eine bestimmte Stärke seiner Persönlichkeit setzen. Von einem an sich mutigen Charakter kann man nur dann sprechen, wenn sein Mut sich tatsächlich auf seine moralische Stärke bezieht. Es wäre interessant zu überlegen, ob man vielleicht in diesem Fall von eine Gewohnheit sprechen kann (John Stuart Mill täte das wohl, da er moralisches Handeln immer als gewohnheitsmäßiges Handeln betrachtet).

Osho: Mut und Furchtlosigkeit

Februar 19, 2008

Lese in Osho’s Buch „Courage – The Joy of Living Dangerously“. Für ihn besteht in Mut in Furchtlosigkeit (und ist daher für ihn grundverschieden von Tapferkeit – diese ist sogar ein Zeichen dafür, dass Mut fehlt).

Wie der Titel schon besagt handelt es sich ansonsten um einen Lobgesang auf den Mut. Das ganze ist im Duktus eines Messias geschrieben, auch wenn Osho immer wieder betont keine Lehre aufstellen zu wollen, sondern den Leser im Gegenteil jede Sicherheit nehmen zu wollen und ihn so gewissermaßen aus dem warmen Nest ins risikoreiche Leben zu stoßen.

Insgesamt gefällt mir das Buch aber gut und es hat mir einige Anstöße und Einsichten gegeben. Auch er fordert eine Konfrontation mit dem Tod:

„Enjoying those moments where you come directly in contact with death-where death becomes almost a reality-is what I mean when I say live dangerously.“ (S. 124)

Zumindest inspirierend ist die enge Beziehung, die er zwischen Mut und Liebe aufstellt:

„Real opposite of love is fear. In Love on expands, in fear one shrinks.“ (S. 77)

Keinesfalls solle man diese Angst* bekämpfen, dadurch würde man sie nur in Form von Angst vor der Angst verstärken. Vielmehr solle man sie ignorieren und die Liebe verstärken und so die Angst letztlich überwinden.

Dabei unterscheidet er vier Stufen der Liebe:

Die erste ist sexuell, das Gefühl des Zu-Hause-Seins eines Orgasmus. Die zweite ist emotional, das Gefühl des Aufgehoben-Seins in einer unbedingten Liebe. Die dritte ist religiös: das spontane Gebete durch das man in eine Beziehung zur ganzen Welt tritt. Als letzte Stufe führt er schließlich die Meditation an, in welcher man eins wird mit dem Universum (wobei ich persönlich kritisch bin, ob diese Stufe wirklich von der dritten zu unterscheiden ist bzw. nicht eine Form der ersten darstellt).

* Er definiert Angst so: „Fear is a feeling of no contact with existence“ (S. 68)

„Wer Kraft und Mittel hat setzt sich fortwährend Gefahren aus“

Februar 12, 2008

„In dem Maße, wie sie es können (es ist eine – quantitative – Frage der Kraft), nehmen die Menschen die größten Verluste und die größten Gefahren auf sich. Wir glauben gern das Gegenteil, weil sie meistens wenig Kraft besitzen. Aber wenn ihnen Kraft zuwächst, sind sie sofort bereit, sich zu verausgaben und sich der Gefahr auszusetzen. Wer Kraft und Mittel hat, verausgabt sich ununterbrochen und setzt sich fortwährend Gefahren aus.“ (Bataille, Die Erotik, 85)