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Metaphysik der Mut

Februar 10, 2008

Ich gehe mal von der Definition aus nach der Mut bedeutet, zu „handeln, obwohl eine Gefahr besteht, der man sich auch bewußt ist.“

Erste metaphysische Voraussetzung hierbei ist, dass es ein Subjekt gibt, welches eine vom Rest der Welt getrennte Existenz hat (zumindest nicht völlig in dieser aufgeht). Dies ist zum einen notwendig, um überhaupt davon sprechen zu können, dass eine bestimmte Person mutig ist. Zum anderen ergibt es sich aber auch aus der Gefahr oder Bedrohung. Ich denke, dass wir hier nicht einfach von einem Nachteil reden können, der dem Subjekt droht, sondern ihm droht Gewalt – ja in letzter Konsequenz der Tod! Damit will ich keineswegs Mut auf einen engen Ausnahmebereich von heroischen Handlungen in Zeiten des Krieges und der Diktatur einschränken. Auch in den vielen alltäglichen Situationen, die Mut erfordern zeigt sich m.E., dass sie eine existentielle Bedrohung darstellen, dass sie die Identität dessen, von dem Mut gefordert ist, in Frage stellen. Meiner Freundin einzugestehen, dass ich sie nicht mehr Liebe, bedroht auch meine eigene Identität, erfordert auch von mir, mich völlig neu zu ihr und zur Welt zu positionieren. Auch ich selbst gestehe damit eine Scheitern ein und gebe damit endgültig die gemeinsame Identität als Paar auf.

Einer solchen Gefahr ins Auge zu schauen und trotzdem den notwendigen (ich hadere gerade noch, ob ich diesen Aspekt mit in die Definition aufnehme) Schritt zu unternehmen erfordert eben Mut, d.h. letztlich die Bereitschaft zu sterben, das Vertrauen in eine neue Identität. An dieser Stelle erhält Mut eine durchaus religiöse Komponente, weil es letztlich ein Gottvertrauen ist, daran zu glauben, dass sich immer eine neue Identität finden wird, in der man weiter lebt.

Also ergibt sich als weitere metaphysische Voraussetzung neben einem diskontinuierlichen, bedrohten Selbst auch die Existenz eines wohlwollenden Gottes (naja, streng genommen nur den Glauben an einen solchen). In vielen Definitionen wird auf die eigene Stärke als Quelle des Muts verwiesen. Das ist aber nicht richtig: eigene Stärke kann Mut ersetzen bzw. überflüssig machen, in dem es die Gefahr reduziert, dass einem etwas passiert, aber Mut bedarf keiner Stärke (höchstens einer spirituellen) und Stärke schafft auch keinen Mut.