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Osho: Mut und Furchtlosigkeit

Februar 19, 2008

Lese in Osho’s Buch „Courage – The Joy of Living Dangerously“. Für ihn besteht in Mut in Furchtlosigkeit (und ist daher für ihn grundverschieden von Tapferkeit – diese ist sogar ein Zeichen dafür, dass Mut fehlt).

Wie der Titel schon besagt handelt es sich ansonsten um einen Lobgesang auf den Mut. Das ganze ist im Duktus eines Messias geschrieben, auch wenn Osho immer wieder betont keine Lehre aufstellen zu wollen, sondern den Leser im Gegenteil jede Sicherheit nehmen zu wollen und ihn so gewissermaßen aus dem warmen Nest ins risikoreiche Leben zu stoßen.

Insgesamt gefällt mir das Buch aber gut und es hat mir einige Anstöße und Einsichten gegeben. Auch er fordert eine Konfrontation mit dem Tod:

„Enjoying those moments where you come directly in contact with death-where death becomes almost a reality-is what I mean when I say live dangerously.“ (S. 124)

Zumindest inspirierend ist die enge Beziehung, die er zwischen Mut und Liebe aufstellt:

„Real opposite of love is fear. In Love on expands, in fear one shrinks.“ (S. 77)

Keinesfalls solle man diese Angst* bekämpfen, dadurch würde man sie nur in Form von Angst vor der Angst verstärken. Vielmehr solle man sie ignorieren und die Liebe verstärken und so die Angst letztlich überwinden.

Dabei unterscheidet er vier Stufen der Liebe:

Die erste ist sexuell, das Gefühl des Zu-Hause-Seins eines Orgasmus. Die zweite ist emotional, das Gefühl des Aufgehoben-Seins in einer unbedingten Liebe. Die dritte ist religiös: das spontane Gebete durch das man in eine Beziehung zur ganzen Welt tritt. Als letzte Stufe führt er schließlich die Meditation an, in welcher man eins wird mit dem Universum (wobei ich persönlich kritisch bin, ob diese Stufe wirklich von der dritten zu unterscheiden ist bzw. nicht eine Form der ersten darstellt).

* Er definiert Angst so: „Fear is a feeling of no contact with existence“ (S. 68)

Eifersucht und Mut

Februar 10, 2008

Heute morgen lese ich in der TAZ ein faszinierendes und erschreckendes Essay über die furchtbaren Folgen der Eifersucht einer Frau – das für mich aber zugleich ein Dokument der Mutlosigkeit des Mannes ist. Der Autor des Artikels (Stephan Wackwitz) beschreibt eine dreijährige Beziehung zu einer Frau B, in der Phasen größter Nähe und Vertrautheit immer wieder durch absurdeste und heftigste Eifersuchtsausbrüche des Typs „Warum hast du die beiden blonden Frauen im Fernsehen angeschaut?“ unterbrochen werden, wobei B bei ihrer Beweisführung von Wackwitz’ Untreue auch auf gegen seinen Willen gelesene Tagebucheinträge zurückgreift. Am nächsten Tag ist alles wieder in bester Ordnung und sie spielt ihren Eifersuchtsanfall (der regelmäßig einen ganzen Abend in ein Verhör verwandelt) mit der Bemerkung herunter, es gäbe in jeder Beziehung auch mal Streit.

Das ist furchtbar und die Ausführungen von Wackwitz zur Eifersucht sind interessant und gut geschrieben (wenn sie auch Zweifel wecken, ob man die Gefühlswelt wirklich am Besten mit Fraktaltheorie und Wittgenstein in Gr.iff bekommt). Aber schockierend ist, dass er nie seine eigene Rolle und die Funktion der Eifersucht in der Beziehung thematisiert. Immer wieder schildert er, wie er sich hilflos gegen die Vorwürfe der B verteidigt („ich stehe doch gar nicht auf blonde Frauen“). Das fruchtet natürlich gar nichts und er wird damit nicht einmal ernst genommen.

Ich selbst habe eine ähnliche Situation erlebt und habe damals genau so reagiert. Beim erstmaligen Auftreten einer Eifersuchtsregung ist es auch erste Pflicht, diese Ernst zu nehmen und sachlich auf sie einzugehen. Zeigt sich aber, dass kein Interesse an einer Klärung vorliegt, so zeigt sich in dem verzweifelten Versuch, an einem sachlichen Diskurs festzuhalten, nur einen Mangel an Mut. Sie stellt mit ihren Anwürfen seine Ehrlichkeit, seine Liebe und seine Integrität in Frage und erlaubt sich dabei auch Eingriffe in seine Intimsphäre (etwa durch Blick in sein Tagebuch). Warum sie mit wachsender Regelmäßigkeit diese Gewalt (!) gegen ihren Partner benutzen muss, wird aus dem Artikel nicht klar. Die Ursache ist jedenfalls nicht, wie Wackwitz zu glauben scheint, derjenigen ähnlich, die Ludiwg Wittgenstein dazu führt, seinen Zweifel an den alltäglichen Gewissheiten auf immer neue Ebenen zu heben. Unabhängig von der Ursache ist aber deutlich, dass Wackwitz die Gewaltanwendung gegen sich selbst immer wieder zulässt und damit implizit legitimiert. So versteckt er sich vor der Gewalt die immer alltäglicher wird, anstatt beim Aufkommen eines Eifersuchtsstreits die Situation zu verlassen und es ihr zu überlassen, ob sie sich für ihn oder für ihre Eifersucht entscheidet. Es ist rührend aber auch krass, wie Wackwitz in einem dreiseitigen Zeitungsessay noch alles daran setzt, die Augen vor der Gewalt zu verschließen und diese zu einem epistemologischen Phänomen umzudeute. Er sagt sich „sie wollte mir gar keine Gewalt antun, sondern sie war nur von so furchtbaren Zweifeln geplagt …“ Ja, aber die Zweifel waren das Instrument einer in ihr sitzenden Notwendigkeit, ihn mit Gewalt zu unterwerfen.