Eifersucht und Mut

Februar 10, 2008

Heute morgen lese ich in der TAZ ein faszinierendes und erschreckendes Essay über die furchtbaren Folgen der Eifersucht einer Frau – das für mich aber zugleich ein Dokument der Mutlosigkeit des Mannes ist. Der Autor des Artikels (Stephan Wackwitz) beschreibt eine dreijährige Beziehung zu einer Frau B, in der Phasen größter Nähe und Vertrautheit immer wieder durch absurdeste und heftigste Eifersuchtsausbrüche des Typs „Warum hast du die beiden blonden Frauen im Fernsehen angeschaut?“ unterbrochen werden, wobei B bei ihrer Beweisführung von Wackwitz’ Untreue auch auf gegen seinen Willen gelesene Tagebucheinträge zurückgreift. Am nächsten Tag ist alles wieder in bester Ordnung und sie spielt ihren Eifersuchtsanfall (der regelmäßig einen ganzen Abend in ein Verhör verwandelt) mit der Bemerkung herunter, es gäbe in jeder Beziehung auch mal Streit.

Das ist furchtbar und die Ausführungen von Wackwitz zur Eifersucht sind interessant und gut geschrieben (wenn sie auch Zweifel wecken, ob man die Gefühlswelt wirklich am Besten mit Fraktaltheorie und Wittgenstein in Gr.iff bekommt). Aber schockierend ist, dass er nie seine eigene Rolle und die Funktion der Eifersucht in der Beziehung thematisiert. Immer wieder schildert er, wie er sich hilflos gegen die Vorwürfe der B verteidigt („ich stehe doch gar nicht auf blonde Frauen“). Das fruchtet natürlich gar nichts und er wird damit nicht einmal ernst genommen.

Ich selbst habe eine ähnliche Situation erlebt und habe damals genau so reagiert. Beim erstmaligen Auftreten einer Eifersuchtsregung ist es auch erste Pflicht, diese Ernst zu nehmen und sachlich auf sie einzugehen. Zeigt sich aber, dass kein Interesse an einer Klärung vorliegt, so zeigt sich in dem verzweifelten Versuch, an einem sachlichen Diskurs festzuhalten, nur einen Mangel an Mut. Sie stellt mit ihren Anwürfen seine Ehrlichkeit, seine Liebe und seine Integrität in Frage und erlaubt sich dabei auch Eingriffe in seine Intimsphäre (etwa durch Blick in sein Tagebuch). Warum sie mit wachsender Regelmäßigkeit diese Gewalt (!) gegen ihren Partner benutzen muss, wird aus dem Artikel nicht klar. Die Ursache ist jedenfalls nicht, wie Wackwitz zu glauben scheint, derjenigen ähnlich, die Ludiwg Wittgenstein dazu führt, seinen Zweifel an den alltäglichen Gewissheiten auf immer neue Ebenen zu heben. Unabhängig von der Ursache ist aber deutlich, dass Wackwitz die Gewaltanwendung gegen sich selbst immer wieder zulässt und damit implizit legitimiert. So versteckt er sich vor der Gewalt die immer alltäglicher wird, anstatt beim Aufkommen eines Eifersuchtsstreits die Situation zu verlassen und es ihr zu überlassen, ob sie sich für ihn oder für ihre Eifersucht entscheidet. Es ist rührend aber auch krass, wie Wackwitz in einem dreiseitigen Zeitungsessay noch alles daran setzt, die Augen vor der Gewalt zu verschließen und diese zu einem epistemologischen Phänomen umzudeute. Er sagt sich „sie wollte mir gar keine Gewalt antun, sondern sie war nur von so furchtbaren Zweifeln geplagt …“ Ja, aber die Zweifel waren das Instrument einer in ihr sitzenden Notwendigkeit, ihn mit Gewalt zu unterwerfen.

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